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Sonntag, 5. September 2010
 
 
Welche Wirkung haben Zimt und Sauerkraut auf den Blutzuckerspiegel

Welche Wirkung haben Sauerkraut und Zimtkapseln auf den Blutzucker

Projektarbeit  

Fachhochschule Münster

Fachbereich: Oecotrophologie

Fach: Ernährungsmedizin

Autorin: Sandra Weber       

Münster, September 2006

Inhalt:                                                                                                  Seite:

Einleitung …………………………………………………………………. 3

                Methode …………………………………………………………………... 4

Was sind Nahrungsergänzungsmittel? ……………………………………. 5

Vorstellung des Fragebogens ……………………………………………... 5

Fragebogen zu Nahrungsergänzungsmitteln ……………………………… 6

Auswertung des Fragebogens ………………………………………….. 7- 8

 

Sauerkraut

Verwendung von Sauerkraut in der Vergangenheit ………………………. 9

Herstellung des Sauerkrauts ………………………………………………. 9

Inhaltsstoffe ……………………………………………………………… 10

Darreichungsform des Sauerkrauts ………………………………...… 10- 11

Hypothesen zur positiven Wirkung des Sauerkrauts

für den Diabetiker ………………………………………………….… 11- 12

Wirkmechanismen …………………….………………………………….. 12

Fazit ………………………………………………………………………. 13

 

Zimt

Verwendung von Zimt in der Vergangenheit …………………………… 14

Verwendung von Zimt Heute ……………………………………….. 14- 15

Dosierung von Zimt ……………………………………………………… 15

Herstellung von Zimtkapseln ……………………………………….……. 15

Studien ……………………………………………………………..… 16- 17

Inhaltsstoffe des Zimts …………………………………………………... 17

Inhaltstoffe des Zimts von denen eine positive Wirkung auf den Blutzucker angenommen wird ………………………………………………….... 17- 18

Vermutete Wirkungen …………………………………………………… 18

Als Beispiel die Zusammensetzung der Zimt Kapseln von Doppelherz … 19

Deklaration des Produkts ………………………………………………... 19

Kommentare von Fachgesellschaften ……………………………………. 19

Fazit ……………………………………………………………………… 2

Einleitung

Der Absatz von Vitamin- und Mineralstoffsupplementen in Deutschland steigt stetig an, so betrug der Umsatz in diesem Bereich im Jahre 2003 nach Angabe des Bundesverbandes der Arzneimittel – Hersteller, 344 Millionen Euro. (Ernährungsumschau März 2006)

Zwischen März und Juni 2004 wurden Schülerinnen und Schüler der 10. bis 13. Klassen an Sekundarstufen und Gymnasien des Bundeslandes Sachsen- Anhalt mittels standardisierten

Fragebogen befragt. 76,1% der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Woche zusätzlich Vitamin- und Nährstoffpräparate einzunehmen. Nur eine geringe Zahl der Schüler kann die Fragen zu Vitaminen und Mineralstoffen und deren Bedeutung richtig beantworten.

Bei meiner Projektarbeit konzentriere ich mich auf die Diabetiker als spezielle Konsumentengruppe für ergänzende Nahrungsmittel.

Die Zahl der Typ- 2- Diabetiker nimmt in Deutschland kontinuierlich zu und stellt daher auch eine große potentielle Konsumentengruppe dar. Nach den Angaben des Gesundheitsberichts Diabetes 2003 sind 7.700.000 Menschen an Diabetes erkrankt. Zu dieser großen Anzahl an Diabetikern die von Ihrer Krankheit wissen addiert man noch ca. zwei Millionen Menschen, bei denen der Diabetes noch nicht diagnostiziert wurde.

Als zukünftige OecotrophologenInnen sollte es daher unsere Aufgabe sein, Stellung zu nehmen und Aufklärung zu bringen, um eine Täuschung des Verbrauchers zu vermeiden. Stattdessen wollen wir als Ernährungswissenschaftler, das Vertrauen der Verbraucher in dem wir sinnvolle Empfehlungen geben.  

Der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht immer als sinnvoll einzustufen. Meistens nutzen Diejenigen Supplemente, die sich auch ansonsten gesund ernähren. Um eine ausdrückliche Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel zu geben, muss eine positive  Wirkung bewiesen sein. Mögliche Nebenwirkungen die bestimmte Produkte mit sich bringen, müssen erforscht und auf ein Minimum reduziert sein, um Folgekrankheiten aufgrund der Einnahme zu verhindern.

Methode

Die Idee über Nahrungsergänzungsmittel bzw. diätetische Lebensmittel zu schreiben, die speziell für Diabetiker empfohlen werden, entstand während meines Praxissemesters in der Diabetischen Schwerpunktpraxis Dr. Fischer und Dr. Keuthage.

Dr. Keuthage wird in seiner Sprechstunde vermehrt nach bestimmten Produkten u. a. auch Sauerkraut und Zimtkapseln zur positiven Beeinflussung des Diabetes gefragt. Aus diesem Grund hat er mir vorgeschlagen über diese Themen zu schreiben.

Mich interessiert bei meiner Arbeit, welche Nahrungsergänzungsmittel gekauft werden, was die Konsumenten sich von diesen Produkten erhoffen und woher Sie die Empfehlungen zur Selbstmedikation haben. ich habe mich mit zwei Produkten beschäftigt, denen eine blutzuckersenkende Wirkung nachgesagt wird; dem Sauerkraut und dem Zimt.  

Durch die Praxis bin ich auch mit einer Selbsthilfegruppe in Kontakt gekommen, deren Vorsitzender großes Interesse an meiner Projektarbeit zeigte und mich spontan zum nächsten Treffen eingeladen hat. Diese gemeinsamen Nachmittage der Gruppe finden vierteljährig statt. In diesem Rahmen hatte ich die Möglichkeit das Thema meiner Projektarbeit vorzustellen und meinen Fragebogen auszulegen.

Bei meiner Recherche zu dem Thema wurde ich auch in Buchhandlungen fündig. Ich habe einige Bücher gefunden, die sich mit alternativen Methoden zur Diabetesbehandlung beschäftigen. Relativ neu auf dem Markt ist z. B. das Buch „ Schlemmen wie ein Diabetiker“ von Hans Lauber. In dem Buch geht es um natürliche Zuckersenker u. a. auch Sauerkraut und Zimt. Von dem Autor werden einige Argumente angeführt, die sich logisch anhören und für den Laien nicht so einfach zu durchschauen sind.

Literatur zu dem Thema habe ich auch im Internet gefunden. Außerdem werden online einige der Produkte für Diabetiker angeboten. Verschieden Firmen, die ihre Produkte mit Hilfe des Internets vertreiben, habe ich angeschrieben um Informationen von Ihnen zu erhalten. Die Firma Queisser Pharma war allerdings die einzige, die mir zurückgeschrieben hat und mir einen Beipackzettel mitgeschickt hat. Zu den Verkaufszahlen des Produkts „ Zimt Kapseln“ habe ich allerdings keine Angabe erhalten.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Ein Nahrungsergänzungsmittel im Sinne dieser Verordnung ist ein Lebensmittel, das dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen, ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellt und in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht wird.

Quelle: Bundesministerium der Justiz   

Da Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln gehören, gilt für diese Produkte genau wie für Lebensmittel das Missbrauchsprinzip. Dieses Prinzip führt dazu, dass Lebensmittel keine Zulassung brauchen, um in den Handel zu kommen. Der Verkauf ist erlaubt, wenn er nicht ausdrücklich verboten ist.(Nahrungsergänzungsmittel und ergänzende bilanzierte Diäten – Möglichkeiten und Grenzen, Winters J. und Hahn, A. 2005)

Für die Firmen, die diese Produkte produzieren, ist es dadurch wesentlich einfacher und auch günstiger ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen als ein Arzneimittel, bei dem der Hersteller Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität nachweisen muss. Diese Prüfungen, die ein Arzneimittel ablegen muss, sind zum einen teuer zum anderen dauert der Weg bis zur Zulassung auch sehr lange. (Internetseite der Stiftung Warentest,2006) 

Dieses ist auch eine Erklärung dafür, warum so viele Supplemente auf dem Markt zu finden sind, teilweise auch von recht bekannten Firmen, die auch im Arzneimittelbereich aktiv sind. 

Vorstellung des Fragebogens

Um festzustellen, was die Betroffenen von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln halten, die für Diabetiker angepriesen werden, habe ich einen Fragebogen entwickelt. In der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Dr. Fischer / Dr. Keuthage hatte ich die Möglichkeit im Rahmen meines Praktikums diesen Bogen an die Patienten zu verteilen. Den Fragebogen habe ich mit fünf Fragen recht kurz gefasst, um die Patienten nicht zu überfordern und auch Antworten von Ihnen zu bekommen. Da gerade neue Patienten, die in die Praxis kamen, schon einen Anamnesebogen von der Praxis erhielten, bzw. die DMP Untersuchungen vor dem Arztgespräch absolvieren mussten, kann so ein Fragebogen noch eine zusätzliche Belastung bedeuten. Für viele Patienten ist ein Arzttermin eine Stresssituation, der mit Aufregung und manchmal auch Ängsten verbunden ist. Die Beantwortung war natürlich freiwillig und einige Patienten sagten auch ganz offen, dass sie dazu keine Lust hätten. Die Teilnehmer konnten den Bogen anonym beantworten. Ich habe auch bewusst auf die Angabe des Geschlechts und des Alters verzichtet, um den Eindruck zu vermeiden, dass ich Rückschlüsse auf Patienten ziehen könnte. ich habe zwar Antworten vorgegeben aber auch Platz zur freien Beantwortung gelassen, um möglichst viele Äußerungen zuzulassen. Auf Wunsch der Praxis ist der Fragebogen im Original mit dem Briefkopf der Praxis herausgegeben worden.

Fragebogen zu Nahrungsergänzungsmitteln:

Liebe Patientin, lieber Patient,

 

wir bitten Sie diesen Fragebogen auszufüllen,

da eine Projektarbeit zum Thema „ Nahrungsergänzungsmittel“

entstehen soll.

Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit der Fachhochschule Münster

und unserer Praxis.

Ihre Angaben bleiben anonym und werden nur für diese Arbeit genutzt.

Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!

1.       Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel zur Blutzuckersenkung ein?

( ) Zimtkapseln

( ) Zimtpulver / losen Zimt

( ) Sauerkrautkapseln

( ) Sauerkrautsaft

( ) sonstige Produkte, welche ....................................................

( ) Nein

2.       Wer hat Ihnen diese Produkte empfohlen?

( ) Arzt

( ) Apotheke

( ) habe ich in einer Zeitschrift gelesen,

     welche ...................................................................................

( ) Freunde, Bekannte

( ) Sonstige, ................................................................................

3.       Welchen Nutzen versprechen die Produkte in der Werbung?

.....................................................................................................

.....................................................................................................

.....................................................................................................

.....................................................................................................

 

4.       Welchen Nutzen versprechen Sie sich persönlich für Ihre Gesundheit?

........................................................................................................

........................................................................................................

........................................................................................................

........................................................................................................

5.       Welche Wirkung ist eingetreten?

...................................................................................................

...................................................................................................

...................................................................................................

...................................................................................................

  Auswertung des Fragebogens

Zur Auswertung bekam ich 49 beantwortete Bögen zurück.

Frage 1. Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel zur Blutzuckersenkung?

 

Zimtkapseln

4

Zimtpulver / losen Zimt

4

Sauerkrautkapseln

 

Sauerkrautsaft

4

Sonstige Produkte, welche

Jeweils einmal genannt:

Sauerkraut,

Nevit ( B1, B6, B12),

Tibinabur,

Sauerkraut roh

Nein

37

Tab. 1, eigene Erhebung Juli 2006

Bei der Frage kam es zu mehrfach Nennungen. Es wurde bei zwei Bögen Nein angekreuzt aber trotzdem machten die Befragten ein Kreuz bei den aufgezählten Substanzen. Von den 49 Befragten kreuzten 37 an, dass sie keine Nahrungsergänzungsmittel nehmen d. h. es verbleiben zwölf der befragten Personen. Dieses entspricht einer Prozentzahl von 24,5. Es handelt sich hierbei zwar nicht um eine repräsentative Umfrage aber das Ergebnis finde ich trotzdem beeindruckend. Im Vergleich dazu die Ergebnisse einer Befragung von 2000 Seniorinnen und Senioren in NRW durch die Uni Niederrhein: 58 % der Befragten nahmen Supplemente jeglicher Art zu sich, mehr als 30 % der Befragten sogar täglich.

 Frage 2. Wer hat Ihnen diese Produkte empfohlen?

Arzt

2

Apotheke

2

Zeitschrift

6 MZ

Freunde, Bekannte

8

sonstige

Überlieferte Erfahrungen, selber, Apotheken Umschau, 4

Keine Angabe

34

Tab. 2, eigene Erhebung Juli 2006

Die Empfehlungen kamen häufig von mehreren Seiten, wobei Freunde und Bekannte den größten Anteil ausmachen. Zwei Personen gaben auch an, dass Ihnen die Produkte von einem Arzt empfohlen wurden. Leider habe ich bei dieser Fragestellung keine Trennung zwischen den Produkten gemacht, aus diesem Grund kann ich keine Aussage darüber machen, ob Sauerkraut oder Zimt empfohlen worden ist.

 Frage 3. Welchen Nutzen versprechen die  Produkte in der Werbung?

Keine Angabe

39

Keine Ahnung

6

Viel

1

Keinen besonderen

1

unbekannt

1

Senkung des Zuckerspiegels

1

Tab. 3, eigene Erhebung Juli 2006

 Diese Frage habe ich zur freien Beantwortung gelassen, um möglichst vielfältige Antworten auch zulassen zu können. Allerdings wurde diese Frage nur von zehn Personen beantwortet, wovon sechs ankreuzten, dass sie keine Ahnung haben welchen Nutzen das Produkt verspricht.

 Frage 4. Welchen Nutzen versprechen Sie sich persönlich?

Keine Angabe

40

Senkung des Blutzuckers

2

Konstanter Blutzuckerspiegel

2

Bessere Grundlagenforschung, Entstehung

1

Verdauung wird verbessert

2

Ich möchte alles richtig machen

1

Gewichtsabnahme

1

Gemüse, Diätprodukte

1

Tab. 4, eigene Erhebung Juli 2006

40 der 49 Befragten haben keine Angabe zu dieser Frage gemacht. Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, warum die Frage nicht beantwortet wurde; es könnte zusammenhängen mit dem Arbeits-, Zeitaufwand oder, dass Sie wirklich keine Angabe über den Effekt machen konnten.  

Frage 5. Welche Wirkung ist eingetreten?

Keine Angabe

44

Blutzucker gesunken

1

Keine Senkung des Blutzuckers

2

wenig

1

Konstanter Blutzucker

1

Gewichtsabnahme

1

Tab. 5, eigene Erhebung Juli 2006

Nur eine Person hat angegeben, dass eines der Nahrungsergänzungsmittel zu einem konstanten Blutzucker geführt hat.  

Sauerkraut

Brassica oleracea ist die botanische Bezeichnung des Kohls, der zur Gattung der Kreuzblütler gehört. Als Kreuzblütler bezeichnet man Pflanzen, die vier Blüten in kreuzform und sechs Staubblätter besitzen.

Verwendung von Sauerkraut  in der Vergangenheit

Das Sauerkraut machte schon früh auf sich aufmerksam und hatte den Ruf ein gesundheitsförderndes und krankheitsverhinderndes Mittel zu sein.

Die ersten Zeugnisse über die Verwendung von Sauerkraut stammen aus Asien. Beim Bau der Chinesischen Mauer im 3. Jahrhundert vor Christus wurden die Arbeiter mit Reis und gesäuertem Kohl ernährt. „ … die alten Chinesen wußten offensichtlich, daß es durch Säuerung haltbar wurde, ohne seinen Nährwert einzubüßen.“  Nach Hans Peter Bleuel, der das Buch „ Sauerkraut- Die Biokost für Gesundheit und Vitalität“ schrieb, wurde das Sauerkrautrezept von Mongolen und Tataren in den Westen gebracht. Das gesäuerte Kraut war für diese umherziehenden Völker als Vorrat sehr nützlich, da es ohne besondere Vorkehrungen transportiert werden konnte.

Bekannt ist auch dass das Sauerkraut vielen Seeleuten das Leben gerettet hat. Im 18. Jahrhundert wurden unzählige Seeleute durch die Vitaminmangelkrankheit Skorbut getötet.  Captain Cook war der erste, der Sauerkraut mit auf seine Reise genommen hat. Mehr als zwei Jahre war er mit seinen Leuten unterwegs und niemand starb durch die Krankheit.

Die französische Regierung setzte 1799 einen Preis aus für eine Erfindung, die eine bessere Versorgung der Truppen mit haltbarer Nahrung ermöglicht. „ 1804 erhielt Appert diesen Preis für ein Verfahren, mit dem er Gemüse durch Erhitzen sterilisierte und in Gefäße abfüllte. Fortan führte Napoleons Grande Armée in ihrem Troß außer Sauerkraut in Fässern wie bisher, auch gekochten Kohl in Gläsern und in verlöteten Blechdosen mit sich.“ 

 

Auch der Pfarrer Sebastian Kneipp schätzte das Sauerkraut als gesundes Nahrungsmittel, dieses belegt ein Kur Konzept von ihm bei dem Sauerkraut und dessen Saft empfohlen wurde. Eingesetzt wurde die Behandlung „ zur Verdauungsförderung bei Darmträgheit und Verstopfung, aber auch gegen Gicht und Zuckerkrankheit.“

Pfarrer Kneipp setzte das Sauerkraut zur Therapie des Diabetes ein.

Vgl. H. P. Bleuel „ Sauerkraut- Die Biokost für Gesundheit und Vitalität“, 1998

Herstellung des Sauerkrauts

Sauerkraut wird hergestellt aus Weißkohl. Dieser wird in Streifen geschnitten und zusammen mit Salz in ein Gefäß gegeben, traditionell ist dieses Gefäß aus Ton oder Holz. r Gärungsprozess kommt durch Milchsäurebakterien zustande, die an dem Kohl haften oder in der Luft sind.

Zwischen dem Kohl darf während der Gärungszeit keine Luft verbleiben, damit nicht statt des gewünschten Gärungsprozesses die Fäulnis einsetzt. Die Aufgabe des Salzes ist es dem Kohl die Flüssigkeit während des Prozesses zu entziehen.

Quelle: wikipedia, 2006

Inhaltsstoffe 

Inhaltsstoffe

1 Portion ( 200 g) Sauerkraut, frisch

Prozent vom Tagesbedarf

Vitamin C

40 mg

40 %

Folsäure

60 µg

15 %

Kalium

576 mg

29 %

Kalzium

100 mg

10 %

Eisen

1,2 mg

12 %

Ballaststoffe

5,0 g

17 %

Tab. 6, Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. 2006

 

Inhaltsstoffe und Wirkstoffe von Sauerkraut je 100 g

Inhaltsstoffe

Weißkohl roh

Sauerkraut frisch

Konserve

Kalorien

25 kcal

25 kcal

13 kcal

Kohlenhydrate

4,6 g

4,0 g

1,1 g

Protein

1,3 g

1,5 g

1,0 g

Fett

0,2 g

0,3 g

0,3 g

Cholesterin

0,0 mg

0,0 mg

0,0 mg

Purin

12 mg

12 mg

12 mg

Ballaststoffe

2,5 g

2,0 g

1,3 g

Kalium

233 mg

288 mg

168 mg

Kalzium

49 mg

48 mg

36 mg

Phosphor

29 mg

43 mg

46 mg

Natrium

13 mg

200 mg

Keine Angabe

Vitamin B1

0,05 mg

0,03 mg

0,0 mg

Vitamin B6

0,0 mg

0,15 mg

0,0 mg

Vitamin B9

0,036 mg

0,007 mg

0,006 mg

Vitamin C

47 mg

20 mg

7 mg

Vitamin K

0,06 mg

1,5 mg

1,0 mg

Tab. 7, Quelle: Bleuel, H. P. Sauerkraut – Die Biokost für Gesundheit und Vitalität, 33 (1998)

 

Darreichungsform des Sauerkrauts

Sauerkraut wird in verschiedenen Varianten angeboten, man kann ihn frisch bekommen aber auch aus der Konserve oder in Folie eingeschweißt. Wie in der Tabelle ersichtlich ist, verändert sich vor allem der Vitamin C Gehalt im Vergleich von frischem Kohl und Sauerkraut aus der Konserve. Bei der Verspeisung von Sauerkraut als Nahrungsmittel hat man ein vielfältiges Vitamin- und Mineralstoffangebot, der schon einen großen Teil des Tagesbedarfs deckt. Vor allem zur Bedarfsdeckung von Vitamin C, Kalzium und dem Vitamin Folsäure, welches oft nicht in ausreichender Menge zu sich genommen wird, trägt es bei. 

Sauerkrautsaft kann man in Reformhäusern, Bioläden, in einigen Supermärkten und auch im Onlineshop erhalten. Auf der Internetseite der Firma Naturprodukte- RAMIS habe ich auch ein Angebot für Sauerkrautsaft gefunden, hier kosten 330 ml des Safts 2,70 €.

Bei dem Onlineshop gibt es auch die Möglichkeit, Sauerkraut Tabletten oder Kapseln zu bestellen. Die Produktbeschreibung gibt als positive Effekte an, dass es zur Verdauungsregulation und bei Schönheits- und Diätkuren unterstützend wirkt. Es werden hier also keine besonders spezifischen Versprechungen gemacht Der Diabetes mellitus wird nicht erwähnt auch nicht mit dem möglichen Zusatz „für Diabetiker geeignet“.

Als Inhaltsstoffe je Kapsel werden 400 mg Sauerkrautsaft Pulver, mit L (+) Milchsäurebakterien, 20 mg Vitamin C, 1,5 mg Beta- Carotin angegeben.

Die Kosten für 60 Kapseln betragen 16,28 €, für 100 Tabletten bezahlt man bei diesem Shop 10,55 €. Zu den Tabletten gibt es keine Produktbeschreibung, daher hat der Interessent keine Möglichkeit sich den Preisunterschied zu erklären.

Hypothesen zur positiven Wirkung von Sauerkraut für den Diabetiker 

Hans Lauber bezeichnet das Sauerkraut in seinem Buch als das „ Kraut der Diabetiker“ (Seite 31), …. „ schmeckt nicht nur ausgezeichnet, sondern vermindert auch den Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen, …“ ( Seite 90)

Anregung der Insulinproduktion

Die Inhaltsstoffe des Sauerkrauts sollen die Insulinproduktion anregen, und das produzierte Insulin soll besser wirken können. ( Hans Lauber)

Für diese Aussage von Hans Lauber gibt es keine Beweise, der Autor stellt nur eine Vermutung an.

Vitamin C ( Ascorbinsäure)

In dem Buch „ Typ- 2- Diabetes Heilung ist möglich“ von V. Schmiedel wird die Wirkung von Vitamin C so beschrieben, dass es vor dem Ranzigwerden von wasserlöslichen Substanzen schützt. Das Vitamin ergänzt sich mit dem Vitamin E, dass die fettlöslichen Substanzen vor der Oxidation schützt. Beide sind in der Lage sich gegenseitig zu regenerieren. Dieses Vitamin soll vor Spätschäden schützen, da es die Fettwerte verbessert und das hohe Risiko für artereosklerotische Erkrankungen senkt. 

Vitamin B1 und B6

Dieses sind nach V. Schmiedel Nervenvitamine, die den Diabetiker vor Neuropathie schützen sollen.

Milchsäure

„ Für Diabetiker ist Sauerkraut eine „ freie“ Gemüsesorte.“ Zitat Kursbuch gesunde Ernährung- Die Küche als Apotheke der Natur. Autor schreibt auch dass die Milchsäure, in dem Sauerkraut offenbar zur Entlastung der Leber und der Bauchspeicheldrüse dient. Eine Begründung dazu gibt er nicht.

Vitamin B12

Nach Hans Lauber befindet sich das Vitamin in dem Kraut, das durch die Bakterien und die Vergärung des Krauts entsteht. Er empfiehlt dieses Vitamin besonders für Diabetiker, da diese besonders häufig einen erhöhten Homocysteinspiegel haben.

Wirkmechanismen

Vitamin C ( Ascorbinsäure)

Hinweise für Vitamin C Mangelzustände bzw. mangelnde Aufnahme gibt es in Deutschland nicht. Ascorbinsäure hat eine positive Wirkung als Radikalfänger. ei einer erhöhten Aufnahme von Vitamin C wird überschüsssiges renal bzw. fäkal ausgeschieden. Bei sehr hohen Dosen an Vitamin C kommt es zur verstärkten Oxalat- Exkretion wodurch es zur Bildung von Nierensteinen kommen kann.

Vitamin B1 ( Thiamin)

Thiamin hat als Coenzym eine Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. „ Bei unzureichender Thiaminversorgung ist dieser Stoffwechselweg der Glucose verlangsamt“,so der Autor J. Bielenberg. 

Milchsäurebakterien

Milchsäurebakterien, wie z. B. Bifidobakterien und Laktobazillen, haben zum einen die Wirkung, dass sie Fäulnisprozessen des Sauerkrauts vorbeugen, zum anderen haben sie eine gesundheitsfördernde bzw. – schützende Wirkung, daher werden sie als Probiotika bezeichnet. Diese Milchsäurestämme überleben die Magen- / Dünndarmpassage und sind in aktiver Form auch noch in signifikanten Zahlen im Dickdarm nachweisbar. Sie hemmen pathogene Mikroorganismen an der Ausbreitung in der Darmwand und deren Übertritt in die Blutbahn und auf andere Organe.  ( Ernährungsbericht der DGE, gesundheit.de)

Durch Ballaststoffreiche Nahrung werden Kohlenhydrate verzögert aufgenommen, dadurch können Blutzuckerspitzen vermieden werden. Als Nebenwirkung kann es zu Blähungen kommen. ( B. Altland- Neuser Diätassistentin, Ernährungsberaterin DGE)

„ Ballaststoffe unterschiedlicher Zusammensetzung beeinflussen als Zusatz und als natürlicher Bestandteil der Nahrung den Stoffwechsel des Diabetikers günstig“.  Als Gründe werden in dem Buch „ Aktuelle Aspekte der Ballaststofforschung“ die verlängerte Magenverweildauer und die dadurch verzögerte und auch verminderte Resorption angegeben.

 

Fazit

Das Sauerkraut wirkt nicht direkt blutzuckersenkend, zumindest kann dieser Effekt nicht wissenschaftlich bewiesen werden, daher kann das Sauerkraut auch Diabetikern nicht aus dem Grund empfohlen werden.

Im Diabetes-Portal Diab Site schreibt das Experten Team von Diätassistenten und Diabetesberatern DDG: „Kein Lebensmittel ist in der Lage, einen hohen Blutzuckerwert zu senken […] Sauerkraut ist ein gesundes und vitaminreiches Lebensmittel, aber hier verlangen Diabetiker zu viel von ihm“

Sauerkraut hat den Vorteil, dass es schnell sättigt durch seinen hohen Ballaststoffanteil und daher evtl. weniger kohlenhydratreiche Nahrungsmittel zu sich genommen werden. 

Da der Blutzucker durch die Aufnahme von Kohlenhydraten ansteigt und 100 g Sauerkraut nur 4,6 g Kohlenhydrate haben, beeinflusst das Kraut den Blutzucker nur gering. Diese Menge an Kohlenhydraten entspricht ca. einer halben Broteinheit (BE).

Die Broteinheit ist eine Schätzeinheit, die gerade für insulinpflichtige Diabetiker sinnvoll ist.  Eine BE ist definiert als 10- 12 g Kohlenhydrate und lässt den Blutzucker um 30- 40  mg/ dl ansteigen.

Ein weiterer Grund, warum eine Mahlzeit mit Sauerkraut einen geringen Blutzuckeranstieg verursacht, könnten die Beilagen sein, denn meistens werden deftige Beilagen z. B. Eisbein, Würste dazu gegessen, die aus Eiweiß und Fett bestehen und den BZ kaum beeinflussen.

Von der Einnahme von Sauerkraut Kapseln oder Tabletten rate ich ab, da sie keine wesentlichen Vorteile für den Konsumenten bringen. Anstatt der Milchsäurebakterien in der Kapsel oder in der Tablette kann man besser zu natürlichen Lebensmitteln greifen, die außer den isolierten Stoffen auch andere Nährstoffe mit sich bringen.

Der Vitamin C Anteil in einer Kapsel entspricht 20 % des Tagesbedarfs. In einer Portion frischem Sauerkraut von 200g hat man schon eine Deckung von 40 % und außerdem noch zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe.

Für die notwendige Aufnahme von Beta- Carotin gibt es bisher nur Schätzwerte, die sich auf 2- 4 mg belaufen, in den Kapseln sind schon 1,5 mg enthalten. Große epidemiologische Studien kamen zwar zu dem Ergebnis, dass bis zu 10 mg Beta- Carotin für Gesunde unbedenklich sind, jedoch wird die Unbedenklichkeit bei höheren Dosen vor allem bei Rauchern in Frage gestellt. (Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr)

Sauerkraut als Nahrungsmittel kann ich befürworten, da es viele wichtige Nährstoffe  enthält, die unser Körper braucht.

Neben den schon auf Seite 9 angeführten Vitaminen und Mineralstoffen enthält es auch Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, wie z. B. Glucosinolate. Den Glucosinolaten wird eine antimikrobielle und antikanzerogene Wirkung zu gesprochen. 

 

Zimt

Der Zimt gehört zur Familie der Lorbeergewächse ( Lauraceae), Cinnamomum verum ist die Bezeichnung der Stammpflanze.Hauptanbaugebiet des Zimts ist Sri Lanka aber auch in Indien, China, Brasilien und den Seychellen wächst der Zimtbaum. ( Gewürzdrogen, Eberhard Teuscher)Dieser Baum ist das ganze Jahr über grün und wird 6- 12 m hoch.Zur Gewinnung des Gewürzes werden die 1- 2 Jahre alten Stockausschläge geschnitten.Dieses erfolgt zweimal im Jahr zu Ende Regenzeit. Weiterverarbeitet wir dann die innere Rinde des Schösslings, anschließend wird diese getrocknet.

Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen bezeichnet man als Phytopharmaka, hergestellt werden diese Produkte aus Pflanzen, Pflanzenteilen oder deren Zubereitungen. Da diese Mittel einen therapeutischen Nutzen haben, müssen sie dem Arzneimittelgesetz entsprechen. (www. medizinfo.de)

Zimtkapseln gehören zu den diätetischen Lebensmitteln und nicht zu den Phytopharmaka.

„ Diätetische Lebensmittel sind Lebensmittel, die den besonderen Ernährungserfordernissen bestimmter Personengruppen entsprechen, sich für den angegeben Ernährungszweck eignen und sich deutlich von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs unterscheiden müssen.

§ 1 Absatz 1 und 2 der DiätVO

Die diätetischen Lebensmittel sind für Personengruppen deren Verdauungs-, Resorptionsprozess oder deren Stoffwechsel gestört ist. Da bei dem Diabetiker eine Stoffwechselstörung vorliegt, kann das Produkt Zimtkapseln zu den diätetischen Lebensmitteln eingeordnet werden. Zu dem verlangt das Gesetz noch eine ausreichende Kennzeichnung, so dass es von bekannten Lebensmitteln und Arzneimitteln abgehoben wird.

 Verwendung von Zimt in der Vergangenheit

„ Die erste Erwähnung des Chinesischen Zimts liegt fast 5000 Jahre zurück. Im Kräuterbuch des chinesischen Kaisers Shen Nung (ca. 2700 v. Chr.) wird seine Verwendung beschrieben.“ (Gewürzdrogen)

Nach der Erschließung des Seeweges nach Indien, kam der Zimt durch die Portugiesen, die 1505 das Handelsmonopol erhielten, nach Europa.

Zimt wurde und wird zum Teil auch noch angewendet bei Beschwerden wie Appetitlosigkeit,

leichten krampfartigen Beschwerden im Magen- und Darmbereich, Völlegefühl und Blähungen.

Im antiken Griechenland wurde Zimt genutzt als Wundheilungsmittel. ( Häringer, E. 2004) 

Verwendung von Zimt Heute

Der Zimt wird in erster Linie als Geschmackskorrigens und als Gewürz verwendet u. a. als Zutat in Tees, Glühwein, Süßspeisen. Es wird auch als Aromastoff bei der Kosmetik- und Parfümherstellung verwendet.

In der Volksmedizin wird das ätherische Öl tropfenweise („ Zimttropfen“) als Mittel bei Dysmenorrhoe und als Hämostyptikum gebraucht.

Das ätherische Öl besitzt antimikrobielle und fungizide Eigenschaften, die auf dem Gehalt an o- Methoxyzimtaldehyd beruhen dürften.

Wortlaut für die Standardzulassung vorgesehenen Packungsbeilagen:

7.1 Anwendungsgebiete

Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und leichte, krampfartige Magen- Darm- störungen; Magenbeschwerden, z. B. durch mangelnde Magensaftbildung.

7.2 Gegenanzeigen

Zimtzubereitungen sind beim Vorliegen von Magen- oder Darmgeschwüren und in der Schwangerschaft nicht anzuwenden

( Wichtl, M. 1984)

 

Dosierung von Zimt

Laut dem Buch, Gewürzdrogen von Eberhard Teuscher beträgt der ADI- Wert für die Zugabe von Zimtaldehyd in Lebensmitteln 1,25 mg/ kg. Das Zimtaldehyd gehört zu den ätherischen Ölen. Diese sind in einem Anteil von 0,2- 4 % in dem Zimt enthalten.

Nebenwirkungen:

Bei bestimmungsgemäßen Gebrauch keine. In größeren Mengen bewirkt Zimtrinde (wie auch mittlere Dosen von Zimtöl) über eine Erregung des Vasomotorenzentrums eine Tachykarkdie, eine Erhöhung der Darmperistaltik, der Atemtätigkeit und der Schweißsekretion; diesem Erregungszustand folgt eine Phase zentraler Sedierung mit Schläfrigkeit und Depressionen.

Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen bezeichnet man als Phytopharmaka, zu ihnen gehören auch die Zimtkapseln. 

7.3 Dosierungsanleitung und Art der Anwendung

1 kleiner Teelöffel (0, 5- 1 g) voll Zimt wird mit heißem Wasser (ca. 150 ml) übergossen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Soweit nicht anders verordnet, wird 2- 3mal täglich 1 Tasse Teeaufguß zu den Mahlzeiten getrunken.

(Vgl. Wichtl, M. 1984)

So der Wortlaut für die Standardzulassung, die vorgesehen ist für Packungsbeilagen zur Teezubereitung.

Herstellung der Zimtkapseln

Zimt als diätetisches Lebensmittel wird hergestellt aus der Zimtrinde des Zimtbaums. Bei der Herstellung von Kapseln wird der wässrige Zimtextrakt rausgelöst.

Vorteil der Kapselform ist zum einen, dass eine höhere Dosierung möglich ist im Gegensatz zu der Aufnahme von losem Zimt. Die tägliche Zufuhr von purem Zimt, die der gleiche Menge an Zimtextrakt entsprechen würde, ist kaum zumutbar, da Zimt einen sehr ausgeprägten Geschmack hat und zu jedem Gericht passt.

Zum anderen ist das Allergiepotential verringert, denn die ätherischen Öle, die möglicherweise eine allergene Reaktion hervorrufen können, sind in der Kapselform nicht mehr vorhanden. Als Hauptallergen gilt das Zimtaldehyd, Zeichen für eine Unverträglichkeit können Haut- und Schleimhautreaktionen sein. ( Teuscher, E. 2003)

Für die Kapselhülle wird Cellulose verwendet, ein Polysaccharid.

Studien

Welchen Einfluss hat Zimt auf den Diabetes mellitus?

Dieser Fragestellung gingen Wissenschaftler der Universität Peshawar in Pakistan, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Beltsville Human Nutrition Research Centers aus Beltsville in den USA, nach. Alam Khan war der führende Wissenschaftler bei diesem  Projekt, über das 2003 zum ersten Mal berichtet wurde.

Im Rahmen einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie, an der 60 Probanden 30 Frauen und 30 Männern, mit Typ 2 Diabetes teilnahmen, sollte die Wirkung des Zimts geklärt werden. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 52 Jahre. Die durchschnittlichen Blutzuckerwerte der Probanden lagen zwischen 140- 400 mg / dl.

Alle Probanden nahmen vor und auch während der Studie das Medikament Glibenclamid aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe ein. Die Dosierung des Medikaments wurde bei den Versuchsteilnehmern nicht verändert, auch die Ernährung wurde wie gewohnt beibehalten.  Die Sulfonylharnstoffe senken den Blutzucker, in dem es die Bauchspeicheldrüse zur vermehrten Abgabe von Insulin anregen. Alam Khan macht keine Angaben über die Dosis des Antidiabetika, so dass es nicht ersichtlich ist, wie hoch  die Dosierung des Medikaments bei den Probanden war.

Die Probanden wurden in sechs Gruppen aufgeteilt, wobei Gruppe eins bis drei die Zimtkapseln in unterschiedlichen Dosen bekam und die Gruppen vier bis sechs die Placebos.

Die Studie ging über 60 Tage und teilte sich in zwei Phasen auf:

1. Phase

In dieser Phase bekamen die Probanden die jeweiligen Zimt bzw. Placebogaben für 40 Tage

2. Phase

Wash out Phase, um den längerfristigen Erfolg beurteilen zu können, bekamen die Probanden in dieser Phase kein Zimt mehr.

Die Gabe des Zimts und des entsprechenden Placebos erfolgte bei der Dosis von 1 mg nach dem Mittagessen und nach dem Abendessen von jeweils 0,5 mg. Die Gruppen die 3 g  und 6 g nahmen und die entsprechende Placebogruppe, teilte ihre Einnahmemenge auf die drei Hauptmahlzeiten; Frühstück, Mittagessen und Abendessen auf.

Ergebnisse der Studie

Wirkung von Zimt auf den Blutzuckerspiegel von Typ- 2- Diabetikern

Tab. 8, Quelle: Alam Khan, Dezember 2003

Der Nüchtern-Blutzucker sank bei den Probanden um 18- 29 %.

Neben der Senkung der Blutzuckerwerte, kam die Studie auch zu dem Ergebnis, dass durch die Gabe der Zimtkapseln auch die Blutfettwerte positiv beeinflusst werden. Die Triglyceride sanken in der Untersuchsgruppe um 23- 30 %, das Gesamtcholesterin um 13- 26 %. Das HDL- Cholesterin wurde durch die Zimteinnahme nicht verändert.

Da die Fettwerte im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom stehen, ist auch für den Diabetiker die Einstellung der Fettwerte besonders wichtig.

Die Arbeitsgruppe von Imparl- Radosevich untersuchte 1998 den Biochemischenwirkmechanismus von Zimtextrakt im Glucosestoffwechsel an Fettzellen von Ratten. Nach E. Häringer, der im Sonderdruck aus NATURAMED 19 (2004) den Mechanismus so beschreibt, dass der Wirkstoff aus dem Zimtextrakt direkt am Insulinrezeptor ansetzt. Der Zimtextrakt enthält konjugierte Bioflavonode u. a. das Polyphenol Methylhydroxychalcon- Polymer (MHCP), diese Verbindung soll nach Häringer den Glucoseabbau stimulieren.

Inhaltsstoffe des Zimts

Tab. 9, Quelle: Vgl. Teuscher 2003, 425

Inhaltstoffe des Zimts von denen eine positive Wirkung auf den Blutzucker angenommen wird

Die Substanz MHCP – Methyl- hydroxy Chalcone Polymer, die im wässrigen Zimtextrakt vorkommt, soll die Insulinwirkung verstärken. MHCP ist ein wasserlösliches Polyphenol und ein sekundärer Pflanzenstoff.

Richard Anderson und Marylin Polanski, US- amerikanischen Wissenschaftler, fanden heraus, dass das MHCP die Insulinzellen empfindlicher macht und so der Insulinresistenz der Typ- 2- Diabetiker entgegen wirkt.

(diaita-Pressedienst „ Ernährungsmedizin & Diätetik News“ Oktober 2004)

„ Das MHCP beeinflusst vermutlich diese Signalübertragung, indem es auf bestimmte Enzyme, die daran beteiligt sind, einwirkt bzw. alleine schon durch das Eintreten in die Körperzelle oder durch das Passieren der Zellmembran eine Wirkung entfaltet. Dadurch wird die Insulinwirkung und somit die Aufnahme des Blutzuckers in die Körperzellen verbessert.“

(diaita-Pressedienst „ Ernährungsmedizin & Diätetik News“ Oktober 2004)

In einer Pressemitteilung der TRUW Arzneimittel Vertriebs GmbH von Dezember 2004 wird der Inhaltsstoffs MHCP so beschrieben, dass er die Wirkung des Insulins imitiert.

Das Deutsche Diabetes- Zentrum schreibt auf der Internetseite diabetes- deutschland „Verschiedene wissenschaftliche Studien konnten dem Zimt gefäßerweiternde

(vasodilatative), antithrombotische und antiallergische Effekte nachweisen. Unter dem Zusatz von Zimt konnten Wissenschaftler sogar eine erhöhte Insulinwirkung an isolierten in Nährmedien wachsenden Fettzellen feststellen. Ob diese Ergebnisse wirklich einmal Auswirkungen auf die Diabetes Therapie beim Menschen haben werden ist schwer zu beurteilen. Möglicherweise lässt sich die Entwicklung einer Insulinresistenz frühzeitig durch die Gabe von Zimtextrakt verhindern.“

Vermutete Wirkungen

Eine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung wird dem Gewürz Zimt aufgrund seines intensiven Geruchs und Geschmacks zugesprochen.

Extrakte vom Zimt haben antimikrobielle Aktivität. Dieses Experiment wurde allerdings bisher nur bei Ratten erforscht und festgestellt. Es stellte sich auch fest, dass das Wachstum des Helicobacter pylori gehemmt wurde, der eine Gastritis und Ulzera im Magenbereich verursachen kann.

Nach der Meinung von Hans Lauber „Nimmt“ der Zucker Zimt, dann muß er vor der Macht des Ayurveda- Gewürzes kuschen.“ Dieses funktioniert aber nur, wenn der Zimt nicht zusammen mit Zucker verspeist wird. Hans Lauber empfiehlt allerdings nicht den Zimt in Kapselform zu sich zu nehmen, er kauft die ganzen Stangen und mahlt sie dann.

( Vgl. Lauber, H., Schlemmen wie ein Diabetiker Seite 86)

Erklärungsansatz:

Zimtextrakte sollen die Insulinrezeptor- Kinase aktivieren und die Dephosphorylierung des Insulinrezeptors hemmen.

Als Beispiel die Zusammensetzung der Zimt Kapseln von Doppelherz

Zusammensetzung

Pro Kapsel

Pro Tagesration ( 3 Kapseln)

Zimtextraktpulver

135 mg

405 mg

Vitamin B1

0,7 mg

2,1 mg

Vitamin B2

0,8 mg

2,4 mg

Vitamin B6

1 mg

3,0 mg

Vitamin B12

1 µg

3,0 µg

Folsäure

150 µg

450 µg

Chrom

20 µg

60 µg

Zink

1,5 mg

4,5 mg

Tab. 10, Quelle: Queisser Pharma, o. J.

 

Dem Zimtextraktpulver in einer Kapsel entspricht 1200 mg losem Zimt.

Chrom soll auch einen positiven Effekt haben auf den Blutzucker, laut V. Schmiedel verbessert Chrom die Insulinwirkung und die Blutzuckereinstellung. 

 Deklaraton des Produkts:

Zimt Kapseln für den Zuckerstoffwechsel

Diätetisches Lebensmittel zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus im Rahmen eines Diätplans.

Auf dem Beipackzettel wird damit geworben, dass der Zimt die Balance des Blutzuckerspiegels unterstützt, wenn es in der richtigen Menge verzehrt wird.

Empfohlen wird eine Aufnahmemenge von drei Kapseln. Dieses entspricht einer Tagesdosis von 405 mg. 

 Kommentare von Fachgesellschaften zu den Untersuchungen

„ Nach Meinung der DDG fehlt der Studie eine ausreichende wissenschaftliche Untermauerung. Mit den daraus gewonnenen Ergebnissen, kann also nicht geschlossen werden, dass Zimt den Blutzucker senkt“.

Der Kommentar der Deutschen Diabetes- Gesellschaft stammt vom 7. Februar 2006.

( diabetes- world.net / de)

 

Kommentar der DGE vom 01.06.2005:

„ Hinweise auf blutzucker- und lipidsenkende Eigenschaften von Zimt rechtfertigen keine Empfehlung für eine therapeutische Anwendung. Die bisher vorliegenden Studien liefern keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege, insbesondere nicht für Haushaltszimt. Es sind weitere Studien notwendig, bevor eine Bewertung erfolgen kann. Zudem sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen.“

 

Fazit

Um die Zimtkapseln ausdrücklich für die Behandlung des Diabetes mellitus empfehlen zu können, müssen größere aussagekräftigere Studien gemacht werden. Die Ergebnisse der Studie aus Pakistan von Alam Khan sind schon beeindruckend aber die Zahl von 60 Probanden ist zu gering, um eine allgemeine Empfehlung geben zu können. Die Untersuchungen am Tiermodell sind zwar zahlreich aber die Ergebnisse lassen sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

Es besteht also weiterhin Forschungsbedarf auf diesem Gebiet, um eine wissenschaftlich fundierte Aussage machen zu können.

Wenn die versprochene Wirkung der Zimtkapseln tatsächlich in dem Maße den Blutzucker senkt, wie in der Studie aus Pakistan, dann hätte dieses für viele Typ- 2- Diabetiker die Konsequenz, dass sie die Einnahme der Antidiabetika verringern oder sogar komplett absetzen könnten. Welche Möglichkeiten die Zimtkapseln bringen, wird man allerdings noch weiter beobachten müssen.

Ergänzung zur Projektarbeit „Welche Wirkung haben Sauerkraut und Zimtkapseln auf den Blutzucker“ vom 23.10.2006

Der Zimt ist durch neueste Veröffentlichungen des BfR ins Blickfeld von Ernährungsexperten gelangt. Auslöser ist die Diskussion um das Cumarin, welches ein natürlicher Aroma- und Duftstoff ist und im Zimt enthalten ist. Besonders auffällig sind die Werte an Cumarin in dem Cassia- Zimt.

Geschätzt wird dass sich in einem g Cassia-Zimt drei mg Cumarin befinden.

Laut BfR liegen noch keine Messungen des Cumarin- Gehalts in Zimtkapseln vor.

Bei der Dosierung der Zimtkapseln ist es so dass sie als Dauermedikament verabreicht werden, in meinem Beispiel der Zimtkapseln der Firma Queisser wurde eine tägliche Einnahme von drei Kapseln empfohlen. Eine dieser Kapseln hat eine Menge an Zimtextrakt die 1200mg losem Zimt entsprechen.

Eine Höchstmenge für Cumarin in Zimt ist noch nicht festgelegt worden.

Nach der Aromenverordnung ist das Cumarin auf  2mg/ kg Lebensmittel beschränkt.

Untersuchungen ob das Cumarin eine genotoxische und kanzerogene Wirkung hat, laufen noch.

Zu dem sollen schon geringe Mengen an Cumarin eine erhöhende Wirkung auf die Leberenzyme haben. Durch die erhöhten Werte kann es bis zu Entzündungen des Lebergewebes kommen. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch nicht bekannt.

Das BfR rät den Verbrauchern zu einem maßvollen Verzehr von zimthaltigen Lebensmitteln. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich dadurch dass die Herkunft und Art des Zimtes nur sehr selten deklariert wird und daher dem Verbraucher die Information fehlt. 

Quelle: www.bfr.bund.de ( 19.10.06)

Literaturliste:

Bleuel, H. P. (1998)

Ratgeber Gesundheit, Sauerkraut- Die Biokost für Gesundheit und Vitalität

Mosaik Verlag, München 

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr/ Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2000)                 

Umschau Braus, Frankfurt am Main

Schulze J., Bock W. ( 1993) (Hrsg.)

Aktuelle Aspekte der Ballaststofforschung

BEHR´s Verlag, Hamburg

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. – Ernährungsbericht 2004 

Ritter, G. (2004)

Lebensmittelkunde, unveröffentlichtes Skript

Fachhochschule Münster

Fachbereich: Oecotrophologie

 Schmiedel, V. ( 2004)

Typ- 2- Diabetes- Heilung ist möglich

Karl F. Haug Verlag, Stuttgart

 Münzing- Ruef, I. (o. J.)

Kursbuch gesunde Ernährung- Die Küche als Apotheke der Natur

Verlag Zabert Sandmann , München

 Lauber, H. ( 2005)

Schlemmen wie ein Diabetiker

Verlag Kirchheim, München

 M. Wichtl ( 1984) ( Hrsg.)

Teedrogen- Ein Handbuch für Apotheker und Ärzte

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart

 Teuscher, E. ( 2003)

Gewürzdrogen- Ein Handbuch der Gewürze, Gewürzkräuter, Gewürzmischungen und ihrer ätherischen Öle

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart

 Bielenber, J. ( 1995)

Arzneimittel und Vitamine- Fallbeispiele für die tägliche Beratungspraxis

Govi- Verlag Pharmazeutischer Verlag, Frankfurt am Main/ Eschborn

 Winters, J. und Hahn, A. (2005)

Nahrungsergänzungsmittel und ergänzende bilanzierte Diäten – Möglichkeiten und Grenzen

Zeitschrift für orthomolekulare Medizin, 13

 Straßburg, A., Schwarzpaul, S., Lührmann, P. und Neuhäuser- Berthold, M. (2006)

 Ernährungs- Umschau 53 ( 2006) Heft 3, Seite 84f

„ Welche Vitamin- und Nährstoffpräparate verwenden Gießener Senioren“

Umschau Zeitschriftenverlag, Sulzbach

 Häringer, E. ( 2004)

Zimtextrakt unterstützt die Behandlung des Typ- 2- Diabetes

Sonderdruck aus Naturamed 19 Nr. 11

Kirchheim- Verlag, Mainz

 

Inhaltsstoff

Menge in Prozent

Ätherische Öle

0,2 bis 2,5 %

Proanthocyanidine

Ca. 2 %

Phenolcarbonsäuren

Keine Angabe

Diterpene

Keine Angabe

Sterole

Keine Angabe

Zuckeralkohole

Bis 1,8 %

Schleimstoffe

2 bis 4 %

Stärke

5 – 10 %

Gruppe

Zimtdosis ( g / Tag)

Blutzuckerwerte vor der Zimteinnahme

Blutzuckerwerte nach 40 Tagen Zimteinnahme

Blutzuckerwerte nach 60 Tagen

( Washout- Phase)

1

1

11,6 + /- 1,7

8,7 + /- 1,6

9,7 + /- 1,4

2

3

11,4 + / - 1,2

9,4 + / - 1,1

9,9 + /- 1,6

3

6

13,0 + /- 1,4

9,2 + / - 1,5

11,4 + / - 1,8

4

Placebo

12,2 + / - 1,0

12,4 + /- 1,1

12,6 + /- 1,0

5

Placebo

12,4 + /- 1,0

12,7 + / - 1,0

12,6 + /- 1,3

6

Placebo

16,7 + /- 1,6

16,8 + /- 1,7

17,0 + /- 1,3

 
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